LOCULI   LOQUENTES

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Salvete parentes – Liebe Eltern!

Wir freuen uns, Sie auf unserer Seite loculi loquentes – dem sprechenden (lateinischen) Vokabelkasten – begrüßen zu dürfen. Im Folgenden möchten wir Ihnen kurz erläutern, worin der Sinn und Zweck der loculi loquentes besteht und wie diese Ihre Tochter oder Ihren Sohn beim Erlernen der Vokabeln und somit beim Erwerb der lateinischen Sprache unterstützen können.

„Mein Sohn lernt Latein, da spricht man alles so, wie es auch geschrieben wird.“ – „Wenn du Latein lernst, brauchst du keine zusätzlichen Regeln zur Aussprache lernen wie in Französisch oder Spanisch.“ – Solche oder ähnliche Argumente werden wohl den meisten von Ihnen bei der Entscheidung für Latein als erste oder zweite Fremdsprache schon einmal begegnet sein. Dass das Erlernen einer korrekten und verständlichen Aussprache ein zentrales Thema im Unterricht der modernen Sprachen ist, wird hingegen niemand bestreiten. Schließlich stellt die Verständigung in der Fremdsprache die wichtigste Kompetenz dar, die im Laufe des Unterrichts erworben und ausgebaut werden soll. Auch die Aussage, dass das Verständnis einzelner Texte – wie z.B. einem Gedicht oder einem Auszug aus einem Drama – durch lautes Lesen oder Hören erleichtert werden kann, dürfte auf allgemeine Zustimmung treffen. Stellen Sie sich hierzu einfach vor, wie jemand Goethes Zauberlehrling rezitiert: Wenn der Sprecher Silben falsch ausspricht, den Rhythmus nicht einhält und Wörter falsch betont, werden Sie als Zuhörer wohl kaum Freude am Vortrag haben. Bei einem gelungenen Vortrag hingegen wird der Text vor ihrem inneren Auge lebendig.

In den höheren Jahrgangstufen des Lateinunterrichts sehen die Lehrpläne aller Bundesländer die Behandlung anspruchsvoller literarischer Texte vor, die von ihrer ursprünglichen Funktion her ebenfalls zum lauten Vortrag bestimmt waren: So hat Cicero seine Reden zuerst vor einer Gruppe von Zuhörern – wie z.B. dem Senat oder einem Gericht – gehalten, bevor diese später veröffentlicht wurden. Auch die Werke lateinischer Dichter wurden deutlich häufiger als heute bei öffentlichen Lesungen vorgetragen oder auch alleine laut gelesen. Die historische Sprachforschung kann seit vielen Jahren die Aussprache des Lateinischen im 1. Jahrhundert v. Chr. – also zu Zeiten von Cicero und Caesar – rekonstruieren. Die Lehrpläne tragen dieser Tatsache Rechnung und formulieren als ein Ziel, dass Schülerinnen und Schüler auf Latinums-Niveau in der Lage sein sollen, lateinische Texte auf angemessene Weise vortragen zu können. Es zeigt sich also, dass das Thema Aussprache und lautes Lesen auch im Lateinunterricht – und nicht nur in den neueren Sprachen – eine Rolle spielt.

Die Schülerinnen und Schüler sollten sich daher von Anfang an daran gewöhnen, auf die Längen und Kürzen der einzelnen Vokale, die korrekte Artikulation bestimmter Laute sowie die Betonung der Wörter zu achten. (Die Betonung wird im Lateinischen nicht durch Akzente im Schriftbild angezeigt, sondern muss mit den Vokabeln mitgelernt werden.)1 Unser sprechender Vokabelkasten bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich die einzelnen Vokabeln anzuhören, sich so an die historisch korrekte Aussprache zu gewöhnen und sich diese im Laufe der Zeit selbst anzueignen. Wie bei einem herkömmlichen Vokabelkasten werden die Wörter, welche die Schüler nicht oder noch nicht ausreichend genug beherrschen, so lange abgefragt, bis ihre Bedeutung sicher gewusst wurde.

Um den sprechenden Vokabelkasten nutzen zu können ist eine – kostenlose – Anmeldung auf unserer Seite erforderlich. Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere → Nutzungsbedingungen. Ihr Kind kann für sich nun eine Liste der zu lernenden Vokabeln erstellen oder auf eine bereits bei uns eingespeicherte Liste – z.B. aus einer bestimmten Lektion eines Lehrbuchs – zurückgreifen. Die Wörter werden bei dem nächsten Besuch auf unserer Seite nach dem bewährten Prinzip des Vokabelkastens abgefragt. Beim Abfragen werden die Wörter und Stammformen den Schülerinnen und Schülern sowohl vorgespielt als auch in schriftlicher Form mit Längenzeichen und Akzenten dargeboten.

Die Tatsache, dass die einzelnen lateinischen Wörter nicht nur durch Lesen sondern auch über die Ohren aufgenommen werden, erleichtert das Erlernen der Vokabeln: Untersuchungen zu Lernprozessen haben nämlich gezeigt, dass sich das menschliche Gedächtnis Vokabeln so besser merken kann – ein Verfahren, das sich im Bereich der neueren Sprachen zahlreiche Lernprogramme, CD-Roms usw. seit vielen Jahren zu Nutze machen, und das mit den loculi loquentes nun für ein lebendiges Lernen von Latein adaptiert wurde.

 

Wir wünschen Ihrem Kind – und vielleicht ja auch Ihnen –
viel Erfolg und Vergnügen mit unserem sprechenden Vokabelkasten!

 

 


1  Die Betonungsregeln sind im Lateinischen denkbar einfach, denn grundsätzlich gilt:
Ist die vorletzte Silbe eines Wortes lang, so wird sie betont (Beispiel: vidḗre → anhören)
Ist die vorletzte Silbe eines Wortes aber kurz, so verschiebt sich der Akzent nach vorn und rutscht auf die drittletzte Silbe (Beispiel: cápĕre → anhören).
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