Editionsrichtlinien für den Wilamowitz-Moellendorff-Briefwechsel

  1. Die Briefe liegen nicht mehr im Original vor. Allerdings fertigte Ulrichs Tochter Adelheid Fredrich (1881–1954) in der ersten Hälfte der 1920er Jahre eine Abschrift an, deren Durchschlag dieser Quellenedition zugrunde liegt und als Faksimile beigefügt ist. Hierbei handelt es sich um eine bereinigte Abschrift der Briefe, da die von den Schreibern eigenhändig getilgten Passagen von Frederich nicht wiedergegeben wurden, wie etwa aus Ulrichs Brief an seine Mutter vom 15. Oktober 1858 deutlich wird. 1946/47 hat Dorothea Hiller von Gaertringen (1879–1972) eine – den Herausgebern ebenfalls vorliegende – Abschrift der Fredrich-Abschrift angefertigt, die nachfolgend und in der Kommentierung als „2. Abschrift“ bezeichnet wird. Dorothea Hiller von Gaertringen lagen möglicherweise noch Briefe Ulrichs im Original vor. Sinntragende Unterschiede zwischen den Abschriften werden deshalb in der Kommentierung aufgeführt.
  2. Die Briefe werden zeilengenau nach der Fredrich-Abschrift diplomatisch ediert. Orthographie und Zeichensetzung werden beibehalten. Nur offensichtliche Fehler (z. B. Buchstabendreher, Verschreibungen, Dittographien) sind stillschweigend berichtigt. Unterstreichungen werden übernommen, in ihrer Länge aber auf die Breite des hervorgehobenen Wortes verkürzt. Datums- und Ortsangaben sind nach dem Muster „Ort, Datum“ wiedergegeben; der bisweilen in der Datumsangabe benutzte Artikel wird nicht übernommen. Die Bezeichnung der Briefpartner erfolgt mit dem vollständigen Namen (z. B. Ulrike von Wilamowitz-Moellendorff statt Mutter). In der Regel werden die Zeilen linksbündig abgebildet; Einrückungen lassen sich über das Faksimile nachvollziehen.
  3. Adelheid Fredrich weist darauf hin, dass die Briefe Ulrich von Wilamowitz-Moellendorffs mit Beginn der Studienzeit nicht mehr in deutscher, sondern in lateinischer Schrift und nur Satzanfänge und Eigennamen mit Großbuchstaben geschrieben sind. Da Adelheid Fredrich die Briefe indes in der zu ihrer Zeit üblichen Groß- und Kleinschreibung transkribiert hat, ist Wilamowitz’ idiosynkratische Schreibweise in vorliegender Edition nicht abgebildet.
  4. Zur Erleichterung des Leseflusses werden Apostrophe eingefügt (z. B. ist’s statt ists). Zoll-Zeichen werden durch reguläre Anführungszeichen ersetzt sowie Minus-Zeichen durch Halbgeviertstriche. Zusätzlich wurden längere Freilassungen getilgt und die Verwendung von Leerzeichen an heutige Satzregeln angepasst (z. B. statt zB). Anführungszeichen werden generell nach heutiger Konvention wiedergegeben. Vereinheitlicht wurde zudem die Großschreibung der Personal- und Possessivpronomina der 2. Person Singular und Plural.
  5. Die Anmerkungen Adelheid Fredrichs sind in eckige Klammern [ ] gesetzt, die Anmerkungen der Bearbeiter in spitze Klammern < >. Verbesserungen durch Adelheid Fredrich werden nur dann in einer Fußnote genannt, wenn ihnen eine inhaltliche Bedeutung zukommt.
  6. Identifizierte Personen, Orte und (wichtige) Körperschaften werden mit einem Link hinterlegt, über den weitere Informationen abrufbar sind. Die biographischen Angaben zu den erwähnten Personen werden möglichst knapp gehalten und beschränken sich in der Regel auf Informationen, die für den Briefkontext relevant sind. Sämtliche in den Briefen erwähnte Ortsnamen werden – soweit ermittelbar – identifiziert, wobei zusätzlich die damalige historische Verwaltungseinheit sowie die politische Zugehörigkeit angegeben sind. Da es gerade hier zu vielfachen Änderungen gekommen ist, bezieht sich die angegebene GND-Nummer regelmäßig auf den modernen Ort. Angaben zu antiken Personen und Orten basieren auf dem Neuen Pauly. Die wichtigsten Lebensdaten (Geburts- und Sterbetag sowie Geburts- und Sterbeort) werden direkt aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) übernommen. Durch die Verknüpfung mit den Normdaten kann mit Hilfe von Schnittstellen dynamisch auf die Ressourcen der deutschen Bibliotheken und weiterer Institutionen im Internet zurückgegriffen werden. Hierdurch soll zudem gewährleistet werden, dass die Angaben in der Regel den aktuellen Forschungsstand reflektieren.
  7. Die Ordnung der Briefe folgt der von Adelheid Fredrich erstellten Textvorlage, die weitgehend chronologischen Prinzipien folgt, zum Ende einzelner Lebensabschnitte aber noch ergänzende Briefe, Gedichte und Entwürfe anführt. Die eingefügte Nummerierung richtet sich nach der Ordnung der Briefe.