Gelehrte, Ausgräber und Kunsthändler: Die Korrespondenz des Instituto di Correspondenza Archeologica als Wissensquelle und Netzwerkindikator

Porträtfoto des Klassischen Archäologen und Institutsgründers Eduard Gerhard (1795 – 1867), am Tisch sitzend
(Humboldt-Universität zu Berlin, Universitätsbibliothek, Inv.-Nr. 653/ID 6000)

Im Zuge des von der DFG geförderten Projektes werden Autographen, die von 1829 bis ca. 1860 von Korrespondenten aus unterschiedlichen altertumswissenschaftlichen Disziplinen in ganz Europa verfasst wurden, systematisch auf Einzelbriefebene erschlossen, digitalisiert und der Forschung im Open Access online zugänglich gemacht werden.  
Das Instituto di Corrispondenza Archeologica, Institut Archäologischer Korrespondenz, die Vorgängerinstitution des heute weltweit tätigen Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) , wurde am 21. April 1829 in Rom formell gegründet. Ziel der explizit internationalen Initiative war, archäologische Entdeckungen im Mittelmeerraum und darüber hinaus aufzunehmen, antike Kulturgüter zu erforschen und diese zu publizieren. Ein europaweit gespanntes Netzwerk aus Institutsmitarbeitern und -mitgliedern sowie anderen Korrespondenten, darunter Altertumsgelehrte, Künstler und Architekten, Sammler und Ausgräber aber auch archäologisch interessierte Laien, berichteten in Briefen über archäologische Funde und Neuigkeiten, diskutierten über deren Erforschung und Veröffentlichungen. Diese singulären Briefsammlungen befinden sich in den Archiven der Abteilung Rom und der Zentrale des DAI in Berlin.

Die Korrespondenzen sind zum einen überaus wichtige Wissensquellen zur Archäologie des 19. und 20. Jahrhunderts, zum anderen sind sie Zeugen des dichten Netzwerks, das sich um das Instituto di Corrispondenza Archeologica gebildet hatte. Die Autographen wurden adäquat auf Einzelbriefebene erschlossen, sachgerecht erfasst, digitalisiert, aufbereitet und im Open Access online zugänglich gemacht, um die institutsübergreifende Erforschung der Gelehrtenbriefe unkompliziert gewährleisten zu können. Auch stellt die Nutzung der digitalen Ressourcen eine Möglichkeit dar, die originalen Materialien zu schonen und eine Langzeitsicherung  dieser zu realisieren.

Chord-Diagramm des Korrespondentennetzwerks im Jahr 1833
(Testversion, Stand Januar 2019)

Die Bestände und deren im Zuge der Erschließung erhobenen Daten sind sowohl in den Systemen der iDAI.world (iDAI.bibliography/iDAI.objects) als auch in anderen Portalen wie Kalliope, dem nationalen Nachweissystem für Nachlässe und Autographen, zu finden.
Darüber hinaus konnten die Daten in ihren Beziehungen zueinander durch die Integration aufeinander abgestimmter Modelle visualisiert werden. Diese wurden nach den jeweiligen Kategorien von Personennamen (Absender/Empfänger), Versand- und Empfängerorten, Chronologie und Menge der jeweiligen Briefe erstellt und  können interaktiv genutzt sowie an die jeweilige Datenabfrage angepasst werden.
Weitere Arbeitsbereiche galten der (halb-) automatisierten Tiefenerschließung der maschinell erstellten Abschriften per OCR (Optical Character Recognition) zu erwähnten Personen und Ortsnamen sowie deren Kookkurrenz in einem chronologisch quantifizierten Rahmen. Des Weiteren wurde ein ausgewählter Teil der Korrespondenz - die Briefe von und an den Initiator und ersten dirigierenden Sekretär des Instituto, Eduard Gerhard  - wissenschaftlich erschlossen.


Die Daten des fortlaufenden Projekts werden sukzessive aktualisiert.